Spiritualität
Aktuelle Studien zeigen, dass die Religion bei Jugendlichen nur eine geringe Rolle spielt — vor allem in der organisierten Form von Religionsgemeinschaften wie der römisch-katholischen oder der evangelisch-reformierten Kirche. Die Offenheit und die Neugier der Jugendlichen gegenüber Mystik, Meditation und Spiritualität, auch exotischer Art, sind trotzdem gross. Dazu suchen sie jedoch individuelle und alternative Zugänge.
Jugendspiritualität bedeutet für uns, dass wir Gefässe schaffen wollen, die in den Jugendlichen die Sehnsucht nach dem Göttlichen, Transzendenten weckt und fördert und dabei echte Gotteserfahrungen ermöglicht. Hierzu fühlen wir uns einer Jugendpastoral verpflichtet, die sich an der Magna Charta pfarreilich organisierter Jugendarbeit orientiert, die ihrerseits auf den beiden Säulen Mystagogie und Subjektorientierung steht.
Wir setzen uns dafür ein, dass Jugendliche ihre Offenheit und Neugier bewahren. Gleichzeitig möchten wir die Pfarreien und Jugendarbeitenden darin unterstützen, Jugendlichen in der Vielfalt spiritueller Angebote Orientierungshilfen und Aufklärung zu bieten.
Unser Ansatz
Die kirchliche Jugendarbeit baut auf den mystagogischen Ansatz. Mystagogie, im Verständnis von Karl Rahner, gründet auf der Glaubensüberzeugung, dass Gott bereits bei den Jugendlichen ist, wenn diese mit kirchlichen Jugendarbeitenden in Kontakt treten. Gott ist in jedem Menschen immer schon da – als Frage, Sehnsucht, inneres Wissen und Geheimnis, das über den Menschen hinaus auf ein Absolutes verweist.
Im mystagogischen Geschehen soll die Entdeckung des Selbst auch zur Erfahrung Gottes führen. Dabei bilden Selbst- und Gotteserfahrung eine Einheit. Die Erfahrung von Gott braucht keine von der Welt abgeschotteten heiligen Orte und Zeiten. Sie ist in der konkreten Alltagserfahrung enthalten. So etwa im Erleben der Schöpfung bei einer Sonnenaufgangswanderung, im bewussten Wahrnehmen der Solidarität beim Teilen des Essens, in der Freude an der gegenseitigen Hilfe und Unterstützung im Team.
Im Rahmen ihrer Tätigkeit bieten Jugendarbeitende behutsam und situationsgerecht mystagogische Deutungen an, um die Geschichte jedes/jeder Einzelnen als Geschichte mit Gott begreifbar zu machen. Dabei entspricht die jeweilige Deutung stets den Erfahrungen und der Lebenswelt der Jugendlichen.
Mystagogie ist kein Einwegprozess, bei dem kirchliche Jugendarbeitende Jugendlichen helfen, Gott zu entdecken. Vielmehr entdecken gleichzeitig auch die Jugendarbeitenden Gott – mit und in den Jugendlichen.